Antisemitische Codes: Wirtschaft und Macht: „Raffendes Kapital“, „Finanzelite“, „Ostküste“
von Verena Wust
06. November 2025
Diese Begriffe greifen antisemitische Vorstellungen auf, in denen Juden mit Habgier, Manipulation und Kontrolle über Geld und Wirtschaft verbunden werden.
- „Raffendes Kapital“: Unterstellt, dass Juden Reichtum ohne eigene Leistung durch Ausbeutung erlangen.
- „Finanzelite“: Wird oft synonym mit einer angeblich jüdischen Weltherrschaft verwendet.
- „Ostküste“: In rechtsextremen Kreisen Code für angeblich jüdisch dominierte Machtzentren in den USA (v. a. New York).
Erkennbar durch: Pauschale Kritik an „den Finanzmärkten“, verbunden mit dem Vorwurf, diese seien „fremdgesteuert“ oder „parasitär“.
Antisemitische Codes: Verschwörungserzählungen: „ZOG“, „Globalisten“, „Great Reset“
von Verena Wust
06. November 2025
- „ZOG“ (Zionist Occupied Government): Die Behauptung, Regierungen seien heimlich von Juden kontrolliert.
- „Globalisten“: Antisemitisch aufgeladener Begriff für angeblich weltweit agierende jüdische Eliten.
- „Great Reset“: Verschwörungsidee, wonach unter dem Vorwand von Krisen (z. B. Corona-Pandemie) eine neue Weltordnung durchgesetzt werde.
Erkennbar durch: Hinweise auf geheime Eliten, die „alles steuern“, in Verbindung mit jüdisch klingenden Namen oder Organisationen (Soros, Rothschild, etc.).
Antisemitische Codes: Bildsprache: „Krake“, „Schlange“, „Happy Merchant“
von Verena Wust
06. November 2025
Antisemitische Bilder verwenden oft Tiere oder Karikaturen, um Juden als bedrohlich darzustellen:
- Krake: Symbol für „jüdische Weltkontrolle“ mit Tentakeln über Medien, Politik etc.
- Schlange: Steht für Heimtücke und Unterwanderung.
- Happy Merchant: Karikatur eines gierigen, jüdisch aussehenden Mannes; oft im Internet verbreitet.
Erkennbar durch: Karikaturen oder Memes mit überzeichneten, stereotypen jüdischen Merkmalen oder Tieren mit „menschlichen“ Machtfunktionen.
Antisemitische Codes: Sprachliche Codierungen: „USrael“, „Kindermörder“, „Teufel“
von Verena Wust
06. November 2025
- USrael: Mischung aus USA und Israel; suggeriert, die USA seien von Israel (bzw. Juden) gesteuert.
- Kindermörder: Geht auf mittelalterliche Ritualmordlegenden zurück.
- Teufel: Antisemitismus stellt Juden als das personifizierte Böse dar.
Erkennbar durch: Verknüpfung von Juden oder Israel mit besonders grausamen, unmenschlichen Eigenschaften.
Antisemitische Codes: Medien und Kultur: „Lügenpresse“, „Kulturmarxismus“, „Frankfurter Schule“
von Verena Wust
06. November 2025
- „Lügenpresse“: Ursprünglich NS-Begriff, heute wieder genutzt, um Medien als „jüdisch gesteuert“ zu diffamieren.
- „Kulturmarxismus“: Theorie, dass linke jüdische Denker (z. B. der „Frankfurter Schule“) gezielt Werte zerstören wollen.
Erkennbar durch: Medien- oder Bildungsfeindlichkeit gepaart mit der Behauptung, eine „jüdische Elite“ wolle das Denken („Medienkontrolle“) beeinflussen.
Antisemitische Codes: Historische Mythen: „Ritualmord“, „Protokolle der Weisen von Zion“
von Verena Wust
06. November 2025
- Ritualmordlegende: Vorwurf, Juden hätten christliche Kinder für Rituale ermordet.
- Protokolle der Weisen von Zion: Falsches Dokument aus dem 19. Jahrhundert, das eine jüdische Weltverschwörung „beweisen“ soll.
Erkennbar durch: Zitieren oder Anspielen auf angeblich „alte Pläne“ oder „uralte Wahrheiten“ über das jüdische Volk.
Antisemitische Codes: Holocaust-Relativierung und Täter-Opfer-Umkehr
von Verena Wust
06. November 2025
Antisemitische Codes beziehen sich auch auf die Geschichte, insbesondere den Holocaust. Dabei werden jüdische Opfer herabgesetzt, ihnen Mitschuld am eigenen Schicksal zugeschrieben oder ihnen sogar die Verantwortung für Antisemitismus selbst gegeben.
- Holocaust-Relativierung: Wenn der Holocaust mit anderen Ereignissen gleichgesetzt oder seine Einzigartigkeit bestritten wird (z. B. Vergleiche mit Corona-Maßnahmen, Israel oder Klimapolitik).
- Täter-Opfer-Umkehr: Juden wird vorgeworfen, den Holocaust „auszunutzen“ oder „selbst schuld“ an Antisemitismus zu sein.
- „Man darf ja nichts mehr sagen“: Suggestion, dass Juden Meinungsfreiheit unterdrücken – ein Code, um Holocaust-Leugnungen oder NS-Verharmlosung zu rechtfertigen.
Erkennbar durch:
- Aussagen wie „Es gibt auch andere Völkermorde, über die keiner spricht.“
- Behauptungen, Juden „instrumentalisieren“ den Holocaust.
- Suggestion, dass Erinnerungskultur ein „Schuldkult“ sei oder dass man wegen Israel- oder Juden-Kritik „nichts mehr sagen dürfe“.